Spots, Pawel Sizcek

Publiziert: 1998

Plastische Unterwerfung der Zeit

Lichtfetzen zucken rhythmisch zwischen Körperbewegungen. Für Bruchteile von Sekunden werden hunderte von ineinander verkeilten Umrissen sichtbar. Manche Hände sind wie fordernd zur Bühne gerichtet, wo vielleicht ein DJ, Gesicht und Körper aufgesplittert durch flatternde Videostrahlen, mit diesen in tausenden von Bildern versinkt.

Was in solchen Momenten vor sich geht ist nichts anderes als der Versuch einer scheinbar plastischen unterwerfung der Zeit auf einer leinwandfläche von zwölf Qadratmetern durch jemanden, der sich darauf wie kaum ein anderer versteht: Ivan Engler, Videokünstler, Filmemacher, Musiker, Fotograf, Informatiker und Naturwissenschaftler zugleich.

Diese Universalität ist beeindruckend, doch ebenso unabdingbar, wenn man sich vor Augen hält, dass Ivan Englers gesamte Kunst auf dem Erfassen und dem Ausdruck jedes einzelnen Augenblicks in einem Raum basiert, diese Räume sich aber schnell verändern.


Hochspannung

Dass er sich dabei nur selten verliert, ist ein Resultat der Hochspannung, die er seinem ganzen Schaffen zu verleihen vermag, einer Hochspannung, die jede unnötige Zierde – als Umweg oder sogar Sackgasse – abschüttelt.

Alles wird schliesslich auf elementare Formen zurückgeführt, wo sich allfällige Verwirrungen kaum mehr halten können. Schon die Vorbereitungen zu einem Auftritt als Video Jockey sind ein Teil dieser Kust; jeder Handgriff in den Strom von Kabeln und Anschlüssen ist nicht nur messerscharf präzis, sondern auch wie von einem heimlichen Rhythmus geleitet.

Und was dann rasend durch die Nächte flimmert, ist so fesselnd, dass die sich immer wieder vor seiner Leinwand tummelnden Bands und MCs oft zu Sichthindernissen degradiert werden, die man während der Show am liebsten als unsichtbare Soundtracklieferanten hinter dieser Leinwand verstauen möchte.

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Foto: Fred A. Frohofer