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Spots, Eva Kirchheim
Publiziert: 1999
Master of Visual Kung-Fu
Seit Ivan Engler vor drei Jahren den nationalen Förderpreis des internationalen Film & Videofestivals VIPER in Luzern gewonnen hat, legt er als Ivan E. jede Woche an Drum&Bass Parties Videos auf, produziert seinen eigenen Sound und geht nebenbei aber noch immer zur Schule.
Du bist hauptsächlich durch deine Videoanimationen an Parties bekannt. Was versteht man unter "Videoanimationen"?
Ich setze Rhythmus in Bilder um. Genauer gesagt lege ich Bilder unter die Musik. Diese Bilder, die ich live herstelle, werden dann an der Party auf Leinwände projiziert. Zum Teil arbeite ich rein konstruktivistisch nur mit Formen und Farben. So zeige ich zum Beispiel die rhythmische Struktur einer Bassdrum als einen pulsierenden Kreis und lege, als Umsetzung der Melodie verschiedene Farbtöne darüber. Andererseits arbeite ich zur Zeit vermehrt mit Filmzitaten, das heisst ich verfremde kurze Ausschnitte (sogenannte Samples) aus Tanz-, Science Fiction- oder Kung-Fu-Filmen.
Kann man das zu jeder Art von Musik machen?
Besonders eignet sich dazu natürlich elektronische Musik, weil hier bei Auftritten fast immer die Bühnenpräsenz der Musiker fehlt. Meist steht nur ein DJ leicht erhöht neben der Tanzläche, wenn es hoch kommt auch noch ein MC oder eine Sängerin. Das ist dann aber alles. Dazu kommt, dass wir heute sozusagen süchtig nach visuellen Reizen sind. Diese Sucht nach immer mehr Bildern wird stimuliert durch Sender wie MTV oder VIVA. Das visuelle Vakuum, welches so für den Partygänger entsteht, versuche ich mit meinen Videoanimationen zu füllen. Dabei muss ich mich manchmal aber auch selbst fragen, inwieweit es sinnvoll ist, unsere Kultur durch die schnellen Bilder, die ich produziere, noch weiter zu beschleunigen.
Wie bist du dazu gekommen?
Ich besuche seit drei Jahre in Zürich die Filmklasse der Schule für Gestaltung, habe aber schon vorher mit verschiedenen anderen Medien experimentiert. Ich möchte mich auch nicht auf ein bestimmtes Medium beschränken. Vielmehr wähle ich ein Medium gezielt anhand des Inhaltes aus, welchen ich auf diesem transportieren möchte. Das Medium Video z.B. besitzt nur eine geringe Auflösung, d.h. es kann eigentlich nur abstrahierte, zu Ikonen reduzierte Grundformen transportieren. Film dagegen besitzt eine sehr detailreiche, hohe Auflösung. Möchte ich die Schönheit einer Landschaft ausdrücken, werde ich deshalb in diesem Fall den Film als geeignetes Medium wählen.
Wie siehst du dich in 10 Jahren?
Eigentlich lebe ich im Moment meinen Traum aus, ich kann gut leben von dem was ich mache und ich werde mit Aufträgen geradezu überschüttet. Die Videoanimationen sind ja nur ein Teil meiner Arbeit. Ich arbeite oft auch für die Werbung, und im Moment bin ich gerade daran, meine neue CD fertigzustellen. Musikalisch bewege ich mich zwischen drum&bass und Trip Hop.
Hast du dabei überhaupt noch freie Zeit?
Weil ich nur das mache, was mir Spass macht, muss ich nicht unterscheiden zwischen Arbeit und Freizeit. Mich auf dem Weg zu wissen, ohne verbissen ein Ziel anzusteuern, zwischendurch aber immer wieder konkrete Projekte abzuschliessen, ist ein zentraler Teil meiner Lebensphilosophie. Wenn ich am Klavier sitze und komponiere frage ich mich ja nicht: "Ist das jetzt Arbeit oder Freizeit?" Jetzt im Herbst gehe ich auch oft in den Wald spazieren und lasse mich von den Farben inspirieren.
War das immer dein Ziel?
Ich war schon immer auf der Suche nach Möglichkeiten mich auszudrücken, aber meine Laufbahn ist sehr "ungradlinig". Bevor ich mit der Filmschule angefangen habe, habe ich ein Jahr lang Biologie studiert, zwei Jahre Medizin und dann ein Jahr Ethnologie. Auf der einen Seite habe ich zwar etwas Zeit verloren, aber andererseits muss jeder Mensch einfach seinen eigenen Weg finden. Wer weiss wo ich wäre, wenn ich das alles nicht gemacht hätte!
Du scheinst ein Faible für Naturwissenschaften zu haben, kannst du das bei deiner momentanen Arbeit gebrauchen?
Da ich bei meiner Arbeit sehr oft mit Technik zu tun habe, hilft mir mein Verständnis für die Naturwissenschaften schon. Ich möchte mich nicht von der Technik versklaven lassen, im Gegenteil, ich will die modernen Technologien als meine Werkzeuge kreativ nutzen. In mir lebt auch noch immer ein starker Forschungs- und Experimentierdrang. Ich denke, es ist heute in der naturwissenschaftlichen Forschung nicht mehr so spannend wie zu Goethes Zeiten, wo es für den einzelnen Forscher noch viel zu entdecken gab. Die meiste Grundlagenforschung ist heute nur noch komplexe mathematische Zahlenspielerei. Mit den neuen Medien allerdings lassen sich sehr konkret ganze Welten erkunden, Weiten und Abgründe tun sich da auf, die erforscht werden wollen - für mich zumindest.
Lebst du in Winterthur?
Ich bin hier geboren, dann in einer Landkommune aufgewachsen und mit 7 Jahren wieder in die Stadt gezogen. Deshalb bin ich schon mit dem Herzen hier. Aber ich muss zugeben, so alle ein bis zwei Jahre bekomme ich eine Krise und will weit weg von hier. Gerade letzte Woche bin ich deswegen in New York gewesen. Klar bin ich auch gerne wieder zurückgekommen, weil hier meine Freunde sind, weil ich hier eine schöne Wohnung habe und so weiter. Es gibt aber leider fast keine "alternative spaces". Die einzigen wirklich interessanten Orte in Winterthur sind für mich im Moment nur das Kraftfeld und das Gaswerk. Die allerdings sind dafür wirklich voll ok.
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